Autobahnkirchen

Was sind Autobahnkirchen und -kapellen?

Der Grundgedanke, an verschiedenen Wegstrecken Kapellen oder auch Kirchen zu errichten, stammt bereits aus dem Mittelalter, als an bestimmten Wegstrecken so genannte Wegstöcke bzw. Wegkapellen errichtet wurden zur Mahnung Gottes.

Im 20. Jahrhundert wurden Autobahnkapellen und -kirchen errichtet, um den Menschen im Rausch des Verkehrs ein wenig Ruhe zu verschaffen. Dabei ist es eigentlich egal, ob eine Autobahnkirche nun katholisch oder evangelisch ist, die Konfession ist eigentlich heutzutage Nebensache. Die neue Motivation der Medien lautet für diese Häuser „Raststätte für die Seele!“ Diese Umschreibung passte den Verwaltern dieser Gotteshäuser weitaus besser.

Für was sind Autobahnkirchen?

Hier kann der Gläubige Ruhe im Gebet finden und von der Last der Hektik auf den Autobahnen abzuschalten. Aber auch die Menschen, welche mit dem Sinn der Kirche nicht gerade in Einklang sind, können hier einfach einmal Ruhe schöpfen und für eine kurze Zeit die Hektik des Verkehrs vergessen. Selbst Beifahrer sind während der Reise einer gewissen Anspannung unterzogen. Für all die Menschen auf den Autobahnen wurden bestimmte Fixpunkte und Konzentrationspunkte geschaffen, um sich mental zu regenerieren. Auch für diese Menschen gibt es in diesen Häusern Ruhe und Entspannung. Neben vielen Kirchen und Kapellen wurden für die Rast suchenden Bänke und Tische aufgestellt, und hinter den meisten Kirchen befinden sich sogar auch Möglichkeiten für die Kinder, um sich spielerisch zu beschäftigen.

Wer hat die Autobahnkirchen angeordnet und eingerichtet?

Die Idee, an bestimmten Punkten Autobahnkirchen und -kapellen einzurichten, stammt sowohl von der katholischen als auch von der evangelischen Kirche.  Die erste von der katholischen Kirche erbaute und eingerichtete Autobahnkirche stammt aus dem Jahre 1958 im Landkreis Augsburg an der A8 bei Adelsried. Nachdem diese erste Autobahnkirche entstanden ist, wollte die evangelische Kirche natürlich in nichts nachstehen und erbaute an der A2 bei Exter, zwischen den Anschlussstellen Herford-Ost und Bad Oeynhausen die erste evangelische Autobahnkirche. Da hier eine eigene Abfahrt für beide Seiten besteht, kann diese Kirche von Reisenden in beiden Richtungen erreicht werden.

Finanzierung & Verwaltung

Alle Autobahnkirchen wurden aus regionalen und überwiegend privat finanzierten Verbänden erbaut und eingerichtet. Die Errichtung eines solchen Gotteshauses kann nur mit der Zustimmung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung erfolgen. Erst dann, wenn das Ministerium diese Erlaubnis erteilt, kann die jeweilige Landeskirche bzw. das Bistum auch die Zustimmung geben, damit das Vorhaben danach in die Tat umgesetzt werden kann. Die Unterhaltung und Sauberhaltung der Gotteshäuser wird von den Kirchen selbst organisiert. Einige dieser Gotteshäuser bestehen lediglich aus einem Raum und werden daher als Autobahnkapellen bezeichnet, während die größeren den normalen Kirchengebäuden entsprechen.

Unterschied zu regulären Kirchen

Der Unterschied zwischen den Gotteshäusern, welche auf dem Gelände einer Autobahnraststätte speziell zum Zweck der Besinnlichkeit errichtet wurden und denen, die als Dorfkirchen in der Nähe von Autobahnauffahrten entstanden sind und die zusätzliche Funktion als Autobahnkirche anerkannt bekamen, ist schon relativ groß. Bei den Autobahnkirchen an den Autobahnraststätten sind weitaus höhere Besucherzahlen zu verzeichnen als an den kleinen Kapellen. Allerdings gibt es keine besondere Besucherzählung.

Wer ist für die Ausschilderung verantwortlich?

Verantwortlich für die Beschilderung und Unterhaltung der Schilder für die Autobahnkirchen und -kapellen sind die jeweiligen Autobahnmeistereien. Diese werden von der Landesregierung mit diesen Aufgaben betraut. Welche der unterschiedlichen Schilder für die Kirchen aufgestellt werden, unterliegt ebenfalls den Autobahnmeistereien, welche auch für die Sichtbarkeit und Sauberkeit der Schilder verantwortlich sind. Müssen unterhalb der Autobahnen Hinweisschilder aufgestellt, ausgebessert und sauber gehalten werden, so ist hier der Landesverband in der Pflicht, da die Zuständigkeit der Autobahnmeistereien direkt an der Auf- oder Abfahrt endet. Sollten eine der Autobahnkirchen und -kapellen im Zuständigkeitsbereich einer Gemeinde liegen, so unterliegen alle Aufgaben der jeweiligen Gemeinde.

Wie viele Autobahnkirchen gibt es in Deutschland?

Mittlerweile gibt es in Deutschland 41 bzw. 42 Autobahnkirchen und -kapellen. 41 oder 42 Kirchen deshalb, weil nicht nachgewiesen ist, ob die beiden ziemlich nahe zusammenstehenden Gotteshäuser in der Gemeinde Grasdorf als 1 oder 2 Kirchen gerechnet werden.

Wo gibt es noch Autobahnkirchen in Europa?

Es gibt noch unterschiedlich viele Autobahnkirchen in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich, Spanien und Italien. Ob in den osteuropäischen Ländern auch solche Gotteshäuser stehen, wurde bislang kein Nachweis erbracht.

Wie wird eine Kirche eine Autobahnkirche?

Eine Kirche kann dann eine Autobahnkirche werden, wenn die Kirche eine direkte Anbindung an eine Autobahnraststätte oder eine Autobahnabfahrt besitzt. Die Abfahrt bzw. die Raststätte darf höchstens 1000 Meter betragen. Mittlerweile besteht für die Autobahnkirche in Brehna eine Sonderregelung, da im Jahre 2005 die dazu gehörende Autobahnabfahrt im Rahmen einer Ortsumgehung umgestaltet wurde. Die Entfernung zur Autobahnauffahrt beträgt insgesamt 1600 Meter. Parkplätze oder Sanitärgebäude müssen unbedingt vorhanden sein. Des Weiteren muss gewährleistet sein, dass eine tägliche Öffnungszeit von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr gegeben ist. Der Innenraum einer Autobahnkirche oder -kapelle muss allerdings mindestens so groß sein, dass auch eine Reisegruppe, welche mit einem Bus eine Rast macht, in den Raum hineinpasst.

Alles in Allem erfahren die Autobahnkirchen und -kapellen auch in der heutigen Zeit noch immer einer großen Beliebtheit.